02.07.2014

Andreas Schurack - Der Stoffwechsel lässt sich nur mit dem Geistesleben vergleichen - Ein Leserbrief an die Erziehungskunst

Ergänzende Anmerkungen zur Mai-Ausgabe 2014 der Erziehungskunst 

Es ist sehr zu begrüßen, wenn Herr Maurer in seinem Editorial Anschlussbedarf schreibt: „Die Idee der »Dreigliederung des Sozialen Organismus« darf keinem Waldorfschüler in Anbetracht der brennenden Nöte unserer Zeit vorenthalten werden ...“ ... Nur begeht er den klassischen Fehler gegenüber der Dreigliederung des sozialen Organismus, wenn er meint: „Im »Stoffwechsel«, in der Erzeugung, Verteilung und im Verbrauch von Gütern, im Wirtschaftleben unserer Gesellschaft lebt Brüderlichkeit – selten verbrauchen wir das, was wir erzeugt haben.“
Herr Maurer setzt hier fast nebenbei den Stoffwechsel des einzelnen Organismus mit dem Wirtschaftsleben des sozialen Organismus gleich. ...
Richtig gedacht ergibt sich eine Vergleichbarkeit des Kopf- oder Nervenpols des menschlichen Organismus mit dem Wirtschaftspol des sozialen Organismus, des rhythmischen Systems mit der Rechtssphäre und des Stoffwechsellebens mit dem Geistesleben.
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Andreas Schurack
Der Stoffwechsel lässt sich nur mit dem Geistesleben vergleichen

Kommentare:

Stefan Oertel hat gesagt…

Danke für den Beitrag. Die Analogisiererei bietet sich ja tatsächlich erstmal an. Man macht das gerne so, wenn man eine Sache nicht aus sich selbst heraus versteht. Verständlich. Irgendwie fand ich den Vergleich der verschiedenen "Dreigliederungen" aber immer schon verwirrend. Jede für sich zu betrachten, ist mir überschaubarer. Und ich laufe nicht so Gefahr in irgendwelche oberflächlichen, vergleichenden Metaphoriken abzugleiten. Wenn man wöllte, könnte man ja auch das "Wachstum" eines Hauses auf der Baustelle mit dem einer Wolke vergleichen. Wahrscheinlich würde man sogar hinbekommen, dass es irgendwie logisch klingt. Da hat er uns dann wieder, der Intellektualismus, aus dessen Sumpf wir uns doch gerade herausarbeiten wollten... :/

Hiero hat gesagt…

In einem Gespräch mit Roman Boos im Januar 1919 hat Rudolf Steiner für ihn eine Skizze dieser Verhältnisse angefertigt, in der noch die dritte Stufe ebenso in Betracht genommen wurde. Erste Stufe: Einzelleben: Da schrieb Steiner für Kopf/Brust/Gliedmassen in der alten alchemistischen Terminologie Aal/Mercurius/Sulphur hin. - Zweite Stufe: der soziale Metaorganismus. Hier steht zu Geistesleben, Rechtsleben, Wirtschaftsleben aus einer konkret lebendigen Anschauung selbstverständlich Sulphur/Mercurius/Sal. - Zur weiteren Dynamisierung der Gesamtanschauung fügt er das Verhältnis zwischen Einzelleben und sozialem Organismus hinzu, also Individuum - gegenströmige Durchdringung - sozialer Organismus. Diese Sicht parallelisiert er mit Sulphur/Mercurius/Sal. (Schön, nicht wahr!). Danke für die Richtigstellung in "Die Erziehungskunst". Mit freundlichem Gruss, Reto Andrea Savoldelli